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Die Windsors – 100 turbulente Jahre (Teil I)

NDR/DasErste
25-12-2016 / 19:15-20:00 Uhr auf DasErste
 

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Zwei Jahrhunderte lang hatte das englische Königshaus einen deutschen Namen getragen – erst „Hannover“, dann „Sachsen-Coburg und Gotha“. Am 17. Juli 1917 verfügte König Georg V. jedoch, „dass das königliche Haus und die Familie ab sofort den Namen ‚Windsor‘ tragen solle und auf alle deutschen Titel und Würden zu verzichten sei.“ Je länger sich der Erste Weltkrieg hinzog, desto feindlicher verhielten sich die Briten gegenüber den Deutschen. Die Umbenennung sicherte damals die Existenz der Krone.

In den hundert Jahren, die seitdem vergangen sind, schien der Fortbestand der Monarchie Großbritanniens mehr als einmal gefährdet. In seiner dreiteiligen Dokumentation „Die Windsors – 100 turbulente Jahre“ beleuchtet Rolf Seelmann-Eggebert ihre guten und schlechten Zeiten. Er beschreibt die Rolle der Queen und ihres vermutlichen Nachfolgers Charles und fragt, welchen Herausforderungen sich die neue Generation wird stellen müssen.

Gemeinsam mit ARD-Moderatorin Mareile Höppner ist der ARD-Adelsexperte nach Windsor gereist – in die Stadt und zu dem Schloss, das der heute in Europa wichtigsten Monarchie den Namen gab. Von Windsor aus führen Rolf Seelmann-Eggebert und Mareile Höppner durch das bewegte Jahrhundert.

Eine große Aktualität hat der Dreiteiler durch die Brexit-Entscheidung der britischen Wähler erhalten. Was passiert zum Beispiel, wenn Schottland aus dem Verbund des Vereinigten Königreiches ausscheidet und Mitglied der Europäischen Union bleibt? Wird Schottland dann auf die Queen als Staatsoberhaupt verzichten? Oder bleibt Schottland, ähnlich wie Australien, ein Königreich, in dem die Queen durch einen britischen Generalgouverneur vertreten sein wird? Fragen, für die es im Augenblick noch keine Antworten gibt.

TEIL I:

Die Queen ist das vierte Staatsoberhaupt Großbritanniens, das den Namen Windsor trägt. Während es ihre drei Vorgänger auf zusammen 36 Jahre brachten, hat sie mit 64 Jahren auf dem Thron einen europäischen Rekord aufgestellt.

Elisabeth war noch nicht geboren, als ihr Großvater Georg V. als Folge der antideutschen Stimmung im Volk während des Ersten Weltkrieges die gemeinsamen Wurzeln mit Deutschland kappte. Sie war eine junge Frau im Zweiten Weltkrieg, als sich Briten und Deutsche erneut als Feinde gegenüber standen. Dennoch heiratete sie einen Mann mit deutschen Vorfahren. Freundschaft und Feindschaft, Familie und Politik bestimmen das deutsch-britische Verhältnis im vergangenen Jahrhundert.

Doch nichts hat das Leben der Queen so stark beeinflusst wie die Abdankung ihres Onkels, König Edward VIII. Einerseits hat sie es ihm zu verdanken, dass sie überhaupt Königin geworden ist. Andererseits war er ihr negatives Vorbild. Die Krone abzugeben wie einen alten Hut und auf diese Weise den Fortbestand der Monarchie zu gefährden, das war für die Eltern, die Familie, das ganze Land ein unerhörtes Ereignis. Das Pflichtgefühl, das sie schon als Prinzessin und später als Königin geprägt hat, ist auf Elizabeths frühe Erfahrung mit dem Onkel zurückzuführen. Ihr ganzes Leben war sie bemüht, den Glanz der Krone, den Edward VIII. lädiert hatte, wieder aufzupolieren.

Bei der Erinnerung an die großen Vorfahren der Queen, an Königin Elizabeth I. und Königin Victoria, sprechen Historiker gern von einem „goldenen Zeitalter“. Davon kann bei Königin Elizabeth II. natürlich nicht die Rede sein. Ihr Verdienst besteht darin, die Monarchie in Großbritannien stabilisiert zu haben, während anderswo Kaiser- und Königreiche untergingen. Sie hat eine wichtige Rolle beim Umbau des Britischen Empire gespielt und ist heute noch eine hoch geschätzte Vorsitzende des British Commonwealth of Nations. Darüber hinaus hat sie sich dem gesellschaftlichen Wandel, auch im eigenen Haus, nicht widersetzt und wird auch deshalb in der ganzen Welt als Vorbild wahrgenommen.

Moderation Mareile Höppner und Rolf Seelmann-Eggebert