Royalty

Eine Kaiserin für Japan -Prinzessin Aiko erobert den Tenno-Thron

Ein Film von Rolf Seelmann-Eggebert
26-10-2005 / 21:45-22:30 Uhr auf DasErste
 

Japan ist stolz auf seine Jahrtausende alte Geschichte und die Familien-Monarchie, die bis ins Jahr 660 vor Christi Geburt zurückgeht. Damit ist sie die älteste Dynastie der Welt. Doch jetzt fürchten Traditionalisten um ihre Seele. Denn Kronprinz Naruhito und Prinzessin Masako haben keinen Sohn, der die Thronfolge antreten könnte. Tochter Aiko, geboren 2001, ist ihr einziges Kind. Darf sie – als 127. Tenno – einmal Kaiserin von Japan werden? Darf die männliche Line abbrechen?

Diese Frage entzweit Japan. Prinzessin Masako wäre an dem Druck, einen Sohn zu gebären fast zerbrochen. Kronprinz Naruhito hat sich so öffentlich zu seiner Frau bekannt, dass es konservativen Japanern fast skandalös erschien. Und die Entscheidung, ob Japan den europäischen Weg der Thronfolge geht, oder seiner Tradition treu bleibt, eilt. Die Erziehung der kleinen Prinzessin Aiko zu Japans künftiger Kaiserin müsste bald beginnen.

Rolf Seelmann-Eggebert, Adelsexperte der ARD, hat in Tokio mit Reformern und Konservativen gesprochen. Er hat erfahren, dass Traditionalisten, mit dem Gedanken spielen, notfalls einen weit entfernten Verwandten des Kaiserhauses zum Thronfolger zu ernennen, um der Dynastie aus der Klemme zu helfen. Und dass die Reformer eine Kaiserin für durchaus möglich halten – vereinbar auch mit den strengen Ritualen des Shintuismus.
Japans Bevölkerung hat schon entschieden. Mehr als 80 Prozent möchten Prinzessin Aiko auf dem Thron sehen. Ministerpräsident Koizumi hat eine Kommission eingesetzt, die noch in diesem Jahr empfehlen soll, wie verfahren werden könnte, und ihr Vorsitzender hat von Anfang an klar gemacht, dass man sich die Meinung der Bevölkerungsmehrheit zu eigen machen wolle. Gute Chancen also für eine Kaiserin Aiko.