Musikfilme

Musikstadt Palermo

Ein Film von Ralf Pleger
01-05-2002 / 11:00-13:10 Uhr auf ARD
 

Ein Stadtportrait zur Live-Übertragung des 12. Europakonzerts der Berliner Philharmoniker aus dem Teatro Massimo

Das Europakonzert, mit dem die Berliner Philharmoniker alljährlich an das Datum ihrer Gründung am 1.Mai 1882 erinnern, kommt in diesem Jahr aus der sizilianischen Metropole Palermo. Die musikalische Leitung hat Claudio Abbado. Auf dem Programm stehen die „Egmont“-Ouvertüre op. 84 von Ludwig van Beethoven, das Violinkonzert D-Dur op. 77 von Johannes Brahms und die Symphonie Nr. 9 e-Moll „Aus der Neuen Welt“ von Antonín Dvořák. Als Zugabe ist die Ouvertüre zur Oper „Die Sizilianische Vesper“ von Giuseppe Verdi geplant.

Palermo ist mit annähernd einer Million Einwohnern die größte Stadt Siziliens. Sie liegt in einer Meeresbucht, umgeben von Bergketten und Felsmassiven. Ein natürliches Wahrzeichen Palermos ist der Monte Pellegrino. Die Stadt geht auf eine phönizische Siedlung zurück, die später von Griechen und dann von den Römern erobert wurde. Byzantiner, Araber, Normannen und Staufer hinterließen ihre Spuren. Es kam zu einer einzigartigen Vermischung der Kulturen. Unter den Spaniern erhielt Palermo vom 16. Jahrhundert an seine herrschaftliche, barocke Prägung, die noch heute das Stadtbild bestimmt. Auch in der Musik machten sich die Einflüsse der verschiedenen Kulturen bemerkbar. Es entstand eine typische sizilianische Volksmusik. Auf dem Gebiet der Oper erlangte der 1660 in Palermo geborene Komponist Alessandro Scarlatti Weltruhm.

Von der reizvollen Lage und dem angenehmen Klima Palermos berichteten viele Reisende. Goethe rühmte die Stadt und ihre Gärten in seiner „Italienischen Reise“. Richard Wagner vollendete sein Musikdrama „Parsifal“ in Palermo, wo er einen mehrmonatigen Kuraufenthalt verbrachte.
Veranstaltungsort des 12. Europakonzerts der Berliner Philharmoniker ist das Teatro Massimo. Das Theater wurde Ende des 19. Jahrhunderts vom Architekten Giovanni Battista Filippo Basile erbaut und gehört zu den größten und renommiertesten Opernhäusern der Welt, vergleichbar mit denen in Paris oder Wien.

Im II. Weltkrieg wurde das Teatro Massimo stark beschädigt und später notdürftig renoviert. Nach dreiundzwanzigjähriger Schließung hat die Stadt auf Initiative des ehemaligen Bürgermeisters von Palermo, Leoluca Orlando, die Restaurierungsarbeiten vollenden können.

Einhundert Jahre nach seiner ersten Eröffnung wurde das Teatro Massimo 1997 wiedereröffnet. Zu diesem Anlass gaben die Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Claudio Abbado schon einmal ein Gastkonzert in Palermo.

Die erste Opernpremiere nach der Wiederöffnung des Theaters war Giuseppe Verdis „Aida“ mit der italienischen Sopranistin Norma Fantini in der Titelpartie.

Das Teatro Massimo ist ein Symbol für die positive Veränderung und kulturelle Neubelebung der Stadt. Palermo ist in Bewegung, überall wird renoviert und restauriert, die alten Klischees von Verfall, Schurkentum und Mafiaherrschaft gehören inzwischen der Vergangenheit an. Auch wenn Palermo noch viele Probleme zu lösen hat, so ist bereits weit mehr getan als nur ein erster Schritt.

Das Stadtportrait, das der NDR für die Pause der Konzertübertragung in Auftrag gegeben hat, lädt ein zu einem Spaziergang durch Palermo, zeigt Menschen, Märkte und Monumente und widmet sich insbesondere der Musik: Von den Liedern der normannischen Troubadoure bis zur aktuellen Musikszene. Autor ist Ralf Pleger, Moderator der Konzertübertragung in Palermo Rolf Seelmann-Eggebert

Für Claudio Abbado wird es das letzte Europakonzert sein, das er als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker leitet. Im Mai wird er den Stab an seinen Nachfolger Sir Simon Rattle übergeben.