Musikfilme

Musikstadt Lissabon – Fado kommt von Schicksal

Ein Film von Ralf Pleger
01-05-2003 / 11:00-13:10 Uhr auf ARD
 


„Fado kommt von Schicksal“
Ein musikalischer Streifzug durch Lissabon

(Stadtportrait zur Live-Übertragung des 13. Europakonzerts der Berliner Philharmoniker aus dem Lissabonner Hieronymus-Kloster. Autor: Ralf Pleger.)

Das Europakonzert, eine gemeinsame Initiative der Berliner Philharmoniker und der DaimlerChrysler AG, kommt in diesem Jahr aus Lissabon, der Hauptstadt Portugals. Die musikalische Leitung hat der französische Dirigent und Komponist Pierre Boulez. Solistin ist die portugiesische Klaviervirtuosin Maria João Pires. Auf dem Programm stehen „Le Tombeau de Couperin“ von Maurice Ravel, das Klavierkonzert d-Moll (KV 466) von Wolfgang Amadeus Mozart und das Konzert für Orchester (Sz 116) von Béla Bartók. Für die Fernsehzuschauer führt Moderator Rolf Seelmann-Eggebert durch das Konzert.

Wie in den Jahren zuvor sind die Berliner Philharmoniker wieder an einem besonders attraktiven Veranstaltungsort zu Gast: Das diesjährige, nunmehr 13. Europakonzert wird live aus dem Lissabonner Hieronymus-Kloster übertragen. Das Bauwerk ist ein Symbol der einstigen portugiesischen Seemacht und ein kulturgeschichtliches Monument von Weltrang. Es wurde um 1500 zu Ehren des Seefahrers Vasco da Gama erbaut und dem Heiligen Hieronymus geweiht. In der Architektur verbinden sich gotische Traditionen mit den Ideen der Renaissance zu einer prachtvollen Einheit. Heute gehört das Gebäude zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Das Stadtportrait, das der NDR für die Pause der Konzertübertragung in Auftrag gegeben hat, lädt ein zu einem Streifzug durch Lissabon und seine Geschichte.

Leitmotiv des Pausenfilms ist der Fado. Er ist Lissabons musikalisches Wahrzeichen und gilt als die letzte erhalten gebliebene Stadtmusik Europas. Wörtlich bedeutet Fado „Schicksal“. Fadomusik bringt oft jene typische melancholische Grundstimmung zum Ausdruck, für die die Portugiesen ein eigenes Wort haben: Saudade.

Der Film macht aber auch deutlich, dass das Bild vom „melancholischen“ Lissabon ebenso unvollständig ist wie das vom „traurigen“ Fado: Lissabon hat viele dynamische Seiten, so wie es beim Fado auch beschwingte Rhythmen gibt.

Darüber hinaus dokumentiert der Film, wie Lissabon insbesondere durch seine Lage am Atlantischen Ozean geprägt wurde und geprägt wird. Die Stadt befindet sich im äußersten Westen der iberischen Halbinsel am Mündungsbecken des Tejo. Ihre Geschichte reicht zurück bis ins achte Jahrhundert vor Christus. Phönizier, Römer und Araber hinterließen ihre Spuren. Im Zeitalter der Entdeckungen war Lissabon das Zentrum der portugiesischen Seemacht und eine der reichsten Städte Europas.

Ein Erdbeben legte 1755 große Teile der Stadt in Schutt und Asche. Der Film veranschaulicht die Katastrophe und den raschen Wiederaufbau, dem die Innenstadt bis heute ihr repräsentatives Erscheinungsbild verdankt.

Als sich Portugal 1974 von der Diktatur befreite, die das Land ein halbes Jahrhundert lang gelähmt hatte, begann für Lissabon ein Aufbruch in eine hoffnungsvolle Zukunft. 1986 folgte der Anschluss Portugals an die Europäischen Union, 1994 war Lissabon Kulturhauptstadt Europas. Vier Jahre später präsentierte man am Tejo die EXPO, die unter dem Motto „Weltmeere“ stand und für die ganze Stadtteile umgestaltet und aufgewertet wurden. In diesem Zusammenhang unterstreicht der Film, dass die Portugiesen mit zukunftsweisenden Themen wie Umweltschutz, Klimaforschung und Ozeanographie an ihre maritimen Traditionen anknüpfen.