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Das Shopping-Schloss

Ein Film von Torsten Bohnet & Rolf Seelmann-Eggebert
Gefördert mit Mitteln der nordmedia Fonds GmbH in Niedersachsen und Bremen.
01-04-2007 / 12:30-13:15 Uhr auf NDR
 

Der Wiederaufbau von zerstörten Schlössern scheint en vogue zu sein. Während man in Berlin und Potsdam nun beinahe seit Jahrzehnten um den Wiederaufbau der Stadtschlösser der Hohenzollern diskutiert, hat man sich in Braunschweig den umstrittenen Wunsch nach dem abhanden gekommenen Welfenpalast bereits erfüllt: Nachdem das Braunschweiger Residenzschloss der Welfen 1960 abgerissen wurde, prägen 47 Jahre später seine Umrisse nun wieder das Bild der Innenstadt. Mit der Teilrekonstruktion des Welfenschlosses hat die Stadt Braunschweig zusammen mit einem privaten Großinvestor ein kühnes und zugleich äußerst kontrovers und emotional diskutiertes Vorhaben in die Tat umgesetzt: Seit 2005 wurde die Fassade des einstigen Welfenschlosses vom Hamburger Shoppingcenter-Konzern ECE in Verbindung mit einer riesigen Shopping Mall rekonstruiert. Das neue, alte Schloss wird zwar städtische Institutionen und ein Schlossmuseum beherbergen, sein repräsentatives Hauptportal aber führt direkt in die Shopping Mall, die sich dahinter auf stattlichen 30.000 m² Verkaufsfläche ausdehnt. Das immense Bauprojekt, das den offiziellen Namen „Schloss-Arkaden“ trägt, erhitzt die Gemüter und spaltet die Stadt. Die Befürworter freuen sich, dass Braunschweig sein Schloss wieder hat und die Innenstadt ihr historisches Gesicht und ein Stück Attraktivität zurückgewinnt. Die Gegner bedauern den Verlust des Schlossparks, der dem Bauprojekt weichen musste, kritisieren den Shopping-Komplex als überdimensioniert und halten das Schloss für eine bloße Attrappe, die dem Kommerz als Feigenblatt dienen soll.

Vor dem Hintergrund dieser Kontroverse beobachtet der Film vor allem, wie die Teilrekonstruktion des Schlosses in die Tat umgesetzt wird, wie beispielsweise die Fassade aus alten, aufwendig geborgenen und restaurierten Originalteilen sowie neu angefertigten Elementen zusammengesetzt wird und wie die Innenausstattung des späteren Schlossmuseums zusammengetragen wird. Wie viel Geschichte, wie viel Tradition, wie viel historische und regionale Identität, um die Deutschlands Städte wetteifern, vermag das von Skeptikern als „Shopping-Schloss“ kritisierte Bauprojekt zu vermitteln?

Mit Experten und Beteiligten geht der Film auf die Suche nach Fragmenten und Schätzen, erzählt die Geschichte des Braunschweiger Residenzschlosses bis zu seinem von Protesten begleiteten Abriss 1960 und dokumentiert die unter Kontroversen herbeigeführte Rekonstruktion eines Fürstenschlosses im Kompromiss zwischen Kunst und Kommerz.

Gefördert mit Mitteln der nordmedia Fonds GmbH in Niedersachsen und Bremen