Royalty

Elizabeth II. – Die diamantene Queen

Seelmannfilm GmbH
28-05-2012 / 19:00-20:00 Uhr auf DasErste
Ein Film von Rolf Seelmann-Eggebert
 

Sie ist weder das am längsten amtierende Staatsoberhaupt der Welt. Das ist vielmehr der beinahe gleichaltrige König Bhumibol Adulyadej, der Thailands Thron schon 1946 bestiegen hat. Noch ist sie in der Geschichte des Hauses Windsor die Monarchin, die ihre Herrschaft länger ausübt als jede andere. Erst, wenn Elizabeth II. den Monat September des Jahres 2015 erreicht, wird sie für sich in Anspruch nehmen können, ihre Ur-Urgrossmutter Victoria überholt zu haben. Und trotzdem geht von der Jubilarin eine größere Faszination aus als von allen ihren Kolleginnen und Kollegen Staatsoberhäuptern zusammen. Warum?

Eine Monarchie, die eine Zukunft haben will, muss mit der Zeit gehen. Die Kunst besteht darin, die richtige Balance zu halten. Sonst verliert man die Zustimmung der Mehrheit der eigenen Bevölkerung. Ich glaube, dass die Queen in dieser Frage eine glückliche Hand gehabt hat. Es fing damit an, dass sie ihre eigenen Kinder auf öffentliche Schulen geschickt hat, während um sie selber noch eigens eine „Palastschule“ gezimmert wurde. Und ein Beispiel aus der jüngsten Zeit: Wenn Kate und William als erstes Kind ein Mädchen geboren werden sollte, wird dieses Kind die künftige Königin werden, unbeschadet der Tatsache, dass noch ein Bruder kommen könnte, der gemäß der alten Thronfolgeordnung eigentlich Vorrang hätte vor der Schwester. Die modernen Briten hätten für einen alten Zopf dieser Art kein Verständnis.

Obgleich der Buckingham Palast seine Pforten in den vergangenen 60 Jahren weit aufgestoßen hat für die Medien, ist es der Queen gelungen, sich selber ein Stück Privatheit zu sichern. Diese Privatheit macht den Mythos aus, der ein wichtiger Bestandteil der britischen Monarchie ist. In diese geheimnisumwitterte Welt muss man vordringen, wenn man Antwort auf die Frage geben will: Wie ist sie denn nun wirklich, die Queen? Obgleich ich Elizabeth II. in den vergangenen 30 Jahren bei Dreharbeiten, Staatsbesuchen, Journalistenempfängen immer wieder begegnet bin, kann ich zu einem zuverlässigen Queen Mosaik nur das eine oder andere Steinchen beitragen. Das will ich in unserer Dokumentation „Elizabeth II. – die diamantene Queen“ versuchen. Das ganze Bild kennen nur ihre Familie und wenige gute Freunde. Aber die reden nicht. Denn sonst wären sie die längste Zeit gute Freunde gewesen.

Warum sie nun nach 60 Jahren nicht endlich in Rente geht und ihren Feierabend noch ein bisschen genießt, werde ich immer wieder gefragt. Das hat mit christlichen Überzeugungen und dynastischen Erfahrungen des Mittelalters zu tun. Wenn man glaubt, sein Amt dem lieben Gott persönlich zu verdanken, ist man bereit, seine Pflicht bis zum letzten Atemzug zu erfüllen. Elizabeth II. hat dieses Versprechen mehrfach in ihrem Leben bekräftigt. Und gegen eine Abdankung der Queen zu Lebenszeiten und eine Krönung von Prinz Charles zum neuen König spricht die Tatsache, dass bei der Errichtung eines neuen Hofes neben einem alten Hof erhebliche Reibungsverluste vorprogrammiert sind. So ist denn eher damit zu rechnen, dass Prinz Charles der Mutter in Zukunft weitere Pflichten abnimmt, als Vizekönig sozusagen und verlängerter Arm Ihrer Majestät.